Flüchtlinge und Patenschaften
Neue Siedlerstellen für Flüchtlinge und Heimatvertriebene war eine der großen Forderungen zu Beginn des Emslandplans. Es wurde entsprechend Druck aufgebaut und das „Ostpreußenblatt“ titelte am 20. Oktober 1950 „Der große Emslandplan – beinahe ein Schandfleck“. Es seien nur 9 Prozent der angeblich 13.200 neuen Höfe für Bauern aus dem Osten vorgesehen und dass obwohl die Ostpreußen besonders viel Erfahrung im Bereich der Moorkultivierung hätten. So war damals die Stimmung zu Beginn. Wenige Jahre später sollten sich die Wogen allerdings glätten, am Ende wurden Einheimische und Auswärtige ausgewogen mit Siedlerstellen versehen. Mitte der 1950er-Jahre war Ostpreußen allerdings wieder Politik im Emsland. Denn gut zehn Jahre nach Flucht und Vertreibung wurden westdeutsche Landkreise und Städte angehalten, das kulturelle Erbe der verlorenen Gebiete in Form von Patenschaften weiterzuführen. Im Emsland wurde dafür das ostpreußische Ermland ausgesucht. So nahm 1955 der Landkreis Aschendorf-Hümmling den Kreis Heilsberg in Patenschaft und Meppen den Landkreis Rößel. Die westdeutschen Landkreise sollte das Erbe in Form von Heimatstuben, Festtagen oder auch Archivsammlungen sichern und den Geflohenen Möglichkeiten des Austausches und der Vernetzung bieten. Die Patenschaft zwischen Meppen und Rößel fing dabei harmonisch an, wurde aber durch Zankereien der Rößeler um den Vorsitz der Heimatkreisgemeinschaft schnell auf Eis gelegt und 1968 endgültig beendet. Trotzdem haben einige Rößeler in Meppen versucht, ihr kulturelles Erbe zu bewahren, die Heimatstube gab es bis 2000. Wie auch die einheimischen Menschen im Emsland befanden die Rößler sich in einer Umbruchszeit und mussten das alte hinter sich lassen, um etwas Neues zu schaffen. Die Bilder zeigen den feierlichen Beginn der Patenschaft.
Eine ausführliche Darstellung findet Ihr im neuen Emsland-Jahrbuch https://www.emslaendische-landschaft.de/emsland-jahrbuch/emsland-jahrbuch-2026-band-72.html
Bilder: Kreisarchiv Emsland / EHB
